Von Innovations-Hirten, -Kapitalisten und einem -Bazar

Früher war die Welt des Innovationsmanagers noch in Ordnung - abgeschlossen von der Umwelt, hütete er seine Forscher und sah zu wie diese es vollbrachten kleine Ideen zu ganz großen Innovationen hochzupäppeln. Doch irgendwann merkte er, dass die aufgeweckten Ideen vermehrt Wachstumsschmerzen bekamen und letztendlich nicht stark genug für den harten Wettbewerb außerhalb des Brutkasten wurden. So begann der Manager sich nach neuen Schützlingen auch außerhalb der F&E-Abteilung umzusehen. Doch nach was genau sollte er eigentlich Ausschau halten? – nach kleinen Idee, oder schon ausgewachsenen Haudegen? - und wer kann ihn unter Umständen bei der Suche unterstützen?

Erstaunlich – dass man sich im Zusammenhang mit Open Innovation meist nur mit dem insourcen von Ideen beschäftigt. Für viele Unternehmen mag das der richtige Weg sein, doch generell hängt die optimale Open Innovation Strategie nicht nur von den Stärken und Schwächen des Innovationsprozess (siehe „Innovation Value Chain“) sondern auch von der Größe des Unternehmens bzw. dem Markt ab.

Satish Nambisan und Mohanbir Sawhney haben im Harvard Business Review eine Orientierungshilfe für den großangelegten Innovations-Einkaufsbummel veröffentlicht ("A Buyer`s Guide to the Innovation Bazaar"). Sie gehen in diesem Beitrag folgender Frage nach:

(…) how to source innovation from outside your organization. There is no single best method for doing this. Numerous useful approaches – each with different attributes and benefits – are on offer in the global marketplace for new ideas, products, and technologies. We call this marketplace the “innovation bazaar.” (Nambisan/Sawhney 2007)

und liefern damit nach Ihrer Aussage:

(…) a conceptual guide to navigating the innovation bazaar and making wise selections from the various vendors. With this guide in hand, companies can meet their particular needs by putting together a balanced mix of offerings based on the external market context and their internal capabilities. (Nambisan/Sawhney 2007)

So skizzieren die beiden Autoren den Bazar und dessen Angebot an “Innovations Produkten” und spannen ein Open Innovation-Kontinuum auf.
Auf der einen Seite können Unternehmen Patente oder Ideen einkaufen, in die jedoch noch viel Zeit und Geld zu investieren ist, um diese zu einer wirklichen Innovation auszubauen. Dieses Vorgehen bietet sich insbesondere für Konsumgüterhersteller an, die eine hohe Anzahl von Produkten vertreiben und in erster Linie inkrementale Innovationen benötigen. Für High-tech Konzerne ist den Ausführungen des Artikels folgend sinnvoller in bereits marktreife Innovationen zu investieren und diese unter hohen Geldaufwendungen in den Markt zu drücken.

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Open Innovation-Kontinuum (Nambisan/Sawhney 2007)

Meiste werden die Investitionen jedoch nicht direkt durchgeführt sondern mit Hilfe von Intermediären. Wenn es in erster Linie um Ideen geht kann auf Patent Broker, Idea Scouts oder eben Plattformen wie innocentive, usw. (siehe Bestpractice) zugegriffen werden.

Fertige marktreife Innovation findet man bspw. bei Ventrue Capital-Firmen oder bei Business Inkubatoren. Als ein schönes Beispiel werden die Bemühungen des Software-Herstellers Salesforce.com angeführt, welche interessanten Startups die Möglichkeit gibt, sich in nähe des Headquaters zu guten Konditionen einzumieten und auf die Infrastruktur des Unternehmens zuzugreifen. Hinzu kommt das AppExhange-Programm, welches Präsentation und Vertrieb von extern entwickelten Salesforce-Plugins zentral auf der salesforce Website fördert. Auf diesem Weg kann das Unternehmen in kürze innovative Produkte identifizieren und deren Potentiale abschätzen.

Der dritte Intermediär ist der so genannte Innovations-Kapitalist, welcher zwischen den beiden Polen vermittelt. Er hält nach viel versprechenden Ideen und Startups Ausschau indentifiziert diese, entwickelt sie weiter, professionalisiert/perfektioniert die Prozesse, und verkauft sie anschließend an ein Unternehmen mit der nötigen Vertriebsstärke. Meist behält er eine gewisse Gewinnbeteiligung oder Unternehmensanteile ein.

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Open Innovation-Intermediäre Nambisan/Sawhney 2007)

Letztendlich empfehlen Nambisan und Sawhney die intensive Zusammenarbeit mit solchen Innovations-Kapitalisten, da diese als Spezialisten für die Identifikation von potentiellen Innovationen Unternehmen bei der Ausweitung Ihrer Bemühungen helfen können.
Wie sollte es auch anders sein, wieder einmal ist Procter & Gamble Vorreiter in dieser Rolle. Sie haben bereits ein Innovations-Kapitalisten- Netzwerk ersclossen und teilen diesen regelmäßig mit, welche Produkte sie benötigen. Der Innovations- Kapitalist übernimmt sozusagen den Einkauf und der Manager kann sich wieder seinen Forschern zuwenden.

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