Archiv für Mai, 2007

Next07-Kongress in Hamburg eröffnet

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Heute sind wir in aller Frühe von Stuttgart und München aus nach Hamburg geflogen, um den Next07-Kongress von SinnerSchrader angesichts des vielversprechenden Programms mitzuerleben. Matthias Schrader hat gerade im Kaispeicher B in der Hamburger Hafencity die Next07 eröffnet, die in den Panels Medien 2.0, Parallelwelten, Brand Wikization, Me-Business, Innovation Camp und Think Tank eine Vielzahl interessanter Themen behandelt.

Norbert Bolz von der TU Berlin philosophierte in der Auftakt-Keynote über die Entwicklung “Vom Blog zur Television” und schaffte es dabei durchaus graziös, einen Großteil des 2.0-Vokabulars in 30 Minuten zu packen. Seine geschilderte Kollaboration von Usern im Rahmen von Open Source denkt zumindest etwas über den technischen Bereich hinaus, bleibt allerdings hinter der zunehmend beobachtbaren Proprietarisierung von Netzwerken zurück. Auf Nachfrage schiebt Bolz allerdings nach, dass sich die radikal-demokratische Kollaboration von Nutzern immer mehr in Richtung Kommerz verschiebe und sich die klassische Wirtschaft zunehmend parasitär über OpenSource lege. Vielleicht könnte unser Ansatz von Open Entrepreneurship ein interessantes Gegenmodell bieten, bei dem eine Bottom-Up-Perspektive vernetzter Wertschöpfung in Netzwerken in Konkurrenz zu klassischen Wertschöpfungsmodellen tritt.

Interessant allerdings seine Sicht der Wiki-Kultur als Selbstorganisation der Laien, die in eine harte Konkurrenz zu allem Expertenwissen tritt und einen Paradigmenwechsel hinsichtlich der Umkehrung des zunehmenden Expertenwissens darstellt, das sich wieder hin zur Doxa, hin zum Meinungswissen entwickle. Parallelwelten seien nicht mehr eine Flucht in eskapistische Traumwelten, sondern hätten bereits den Charakter von Konkurrenzwirklichkeiten. Geld sei das Zeichen, dass es um Realität geht.

Auch Bolz’ Gedanke einer Auflösung der klassischen Pareto-Verteilung 80:20 in Netzwerken ist eine interessante Variante des Long-Tail-Paradigmas. Die Digitalisierung als Befreiung von der klassischen Größenverteilung hin zu einer zunehmenden Relevanz von Nischeninteressen ist jedenfalls eine interessante Sichtweise.

Die Bolzsche Medienkritik indes bleibt jedoch trotz eines hohen Vortragsniveaus und durchaus kurzweiligen Stils mit der Einsicht hinter unseren Erwartungen zurück, dass alle zusammen kreativer seien als jeder und es nur noch eines Anzapfens der weit verteilten Kreativität bedürfe. Dies führe allerdings letzten Endes zu einem Mediendarwinismus, bei dem jeder die Chance habe, drei Minuten wahrgenommen zu werden. Es entscheide sich schnell, wem etwas gelingt oder von wem man nie wieder etwas hören wird.

Sehr interessant allerdings wieder der Gedanke zum Abschluss der Eröffnungs-Keynote, dass in der Mediennutzung nichts mehr als der “Linking Value” entscheide. Noch wichtiger als das, was verknüpft werde, sei die Verknüpfung selbst. In diesem Sinne ein Hoch auf die Überhöhung des Intermediären und wir bleiben gespannt auf die Inhalte der Panels. 


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