Second Life - Virtuelle Entrepreneure

Wie real virtuelle Welten werden können, zeigt das visionäre Online-Rollenspiel Second Life von Linden Lab. Mittlerweile existieren mehr als zwei Millionen Avatare innerhalb dieser virtuellen Realität. Das beim Einstieg kostenlose Spiel enthält einfache Werkzeuge, die es auch Laien ermöglichen, detaillierte, virtuelle Gegenstände zu erzeugen. Das Besondere besteht nun darin, dass Spieler die Möglichkeit haben, diese Gegenstände gegen eine virtuelle Währung an andere User zu verkaufen. Dabei existiert ein Umrechnungssystem, das die virtuelle Währung an den US-Dollar koppelt und einen Austausch in beide Richtungen ermöglicht. Mittlerweile haben sich sogar innerhalb von Second Life virtuelle Banken und Börsen entwickelt, die mit der internen Währung handeln.

Auf dieser Basis hat sich ein weit reichender Markt digitaler Gütern entwickelt, auf dem Spieler digitale Gegenstände und Dienstleistungen gegen reales Geld eintauschen. Daraus ist ein eigenständiges Wirtschaftssystem entstanden, in dem etwa 800.000 Dollar täglich innerhalb des Spiels den Besitzer wechseln. Mit Second Life existiert eine virtuelle Welt ohne Grenzen, in der sich jeder Spieler entscheiden kann, ob er selbst Dinge produzieren und verkaufen oder einfach nur konsumieren möchte.

Die reale Dimension von Second Life zeigt sich darin, dass in manchen asiatischen Ländern die Produktion von In-Game-Gütern bereits zu einer kleinen Industrie mit mehreren hundert Arbeitsplätzen geworden ist. Die angebotenen Güter reichen dabei von Flugzeugen, über Kleidung bis hin zu Körperteilen und selbstprogrammierten In-Game-Games. Das bekannteste Beispiel für dieses Phänomen ist die Spielfigur Anshe Chung, die mit einem Vermögen von etwa 250.000 Dollar die reichste Figur innerhalb von Second Life ist. Anshe Chung spezialisierte sich auf das Gestalten von virtuellen Landschaften, die anschließend an zahlende Kunden weiterverkauft werden. Mit diesem Geschäftmodell verdient die ehemalige Lehrerin mittlerweile ihren Lebensunterhalt.

Die Geschäftsmodelle in Second Life sind dabei ebenso vielfältig wie in der realen Welt. Das Risiko, innerhalb eines virtuellen Netzwerks unternehmerisch tätig zu werden, ist jedoch weitaus geringer. Hier zählt in erster Linie eine gute Idee. Die einfachen Tools ermöglichen die Umsetzung.

Die Innovation von Second Life lässt sich auf den Punkt bringen: virtuelle Welten gekoppelt an reales Geld. Es sind virtuelle Entrepreneure, die Second Life ständig weiterentwickeln. Die mediale Berichterstattung hat Second Life zudem mittlerweile in der Realität ankommen lassen und Unternehmen wie IBM beginnen bereits damit, eigene Geschäftsmodelle innerhalb von Second Life zu entwickeln, Lifestyle-Firmen wie Adidas eröffnen virtuelle Shops. Die Grenzen zwischen Virtualität und Realität scheinen zunehmen zu verschwimmen.

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