Crowdsourcing - Die nächste Generation des Proletariats

Spiegel Online beschreibt in einem heute veröffentlichen Artikel das Thema Crowdsourcing als Auslöser beziehungsweise Verstärker für ein wachsendes globales Netz-Proletariat. Der Aufhänger der Story, ist das von dem Künstler Aaron Koblin ins Leben gerufene Projekt thesheepmarket.com. Fasziniert von der Idee, Schafe zu zeichnen und diese auf einer digitale Weide neben tausenden anderen zu stellen, ließen es sich etliche Surfer nicht nehmen, an diesem etwas bizarren Kunstwerk teilzunehmen. Doch letztendlich geht es dem Spiegel darum, auf Amazons “Mechanical Turk” hinzuweisen, ein Service der das Outsourcing vieler Tätigkeiten zu zum Teil lächerlichen Preisen ermöglicht:

“Rein praktisch ist das System einerseits eine Methode, Menschen für minimalste Summen zum Arbeiten zu bringen - vielleicht, wie im Falle der Schafe von Aaron Koblin, aus Langeweile oder purem Schaffensdrang. Andererseits schafft “Crowdsourcing” echten Mehrwert - auf Kosten all dessen, was man in einem Sozialstaat so mit bezahlter Arbeit assoziiert. Freie Software und Wikipedia waren gestern, jetzt wird Geld gemacht.”

Insofern ist es auch konsequent, anschließend auf Innocentive und Istockphoto hinzuweisen. Jedoch wird das Argument des Proletariats in diesem Zusammenhang nicht entkräftet und auch nicht darauf hingewiesen, dass auf diesen beiden Plattformen im Gegensatz zum Durchschnittsverdienst der Arbeiterschaft auf “Mechanical Turk” eine Menge Geld verdient wird.

Der Openeur unserem Verständnis nach macht sich diese Plattformen zunutze. Egal ob er nun selbst Fotos verkauft, Probleme löst oder etwa komplexe Programme weit unter Marktpreis produzieren lässt. Er nutzt die Netzwerke, Potentiale und Spezialisierung einer globalen Gemeinschaft und schafft hierdurch Mehrwert. Der SPON-Artikel erweckt jedoch den Anschein, dass sich ausschließlich Großunternehmen Crowdsourcing zunutze machen und eine wachsende Zahl von Arbeitern sich diesen unterwerfen. Diese Einschätzung greift eindeutig zu kurz, da beide Seite auf freiwilliger Basis kooperieren und letztendlich im Erfahrungs- und zum Teil auch Güteraustausch voneinander profitieren.

Trotzdem ist der Artikel einer weiterer Hinweis darauf, dass das Thema Crowdsourcing in der öffentlichen Wahrnehmung an Stellenwert gewinnt. Es bleibt also abzuwarten, ob sich - nachdem mittlerweile so ziemlich jeder Journalist mindestens einmal über das “Phänomen Web 2.0″ geschrieben haben dürfte - nicht vielleicht sogar der nächste, journalistische Hype in Richtung Crowdsourcing entwickeln wird.

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