Mission Statement
Open Innovation
Der Begriff Open Innovation wurde in wesentlichem Maße von Henry Chesbrough, UC Berkeley, geprägt. Die zentrale Idee von Open Innovation ist, dass Unternehmen in einer Welt weit verteilten Wissens nicht nur auf ihre eigene Innovationskraft vertrauen können, sondern auf die Integration und Nutzung externer Informationen und Kompetenzen angewiesen sind.
So verstanden, stellt Open Innovation eine Weiterführung des Konzepts Eric von Hippels, MIT Sloan, zu User Innovation dar. Von Hippel beschreibt das Phänomen, dass die Kreativität des Endnutzers eines Produkts oft in höherem Maße als die Invention des Herstellers für Innovationen verantwortlich ist, mit dem Begriff des Lead Users. Frank Piller und Ralf Reichwald, MIT Sloan/TU München, haben diesen nutzer-orientierten Ansatz von Open Innovation erst jüngst um das Konzept der Interaktiven Wertschöpfung erweitert, das Open Innovation mit dem Konzept von Mass Customization, einer kundenspezifischen Anpassung von Produkten, verbindet.
Jene Ansätze waren und sind wichtige Beiträge für ein tieferes Verständnis des Konzepts von Open Innovation. Um jedoch alle, unseres Erachtens in diesem Zusammenhang stehenden Entwicklungen beschreiben und erklären zu können, möchten wir einen weiter gehenden Begriff von Open Innovation einführen, der unseres Erachtens dem Potenzial von User Generated Innovation stärker gerecht wird. Wir definieren Open Innovation deshalb als Fähigkeit, dezentral vorhandene Informationen und Ressourcen in einem offenen Prozess zu Entscheidungen zu aggregieren, aus denen wiederum Innovation entstehen kann.
Open Entrepreneurship
Neben Open Innovation möchten wir uns mit einem weiteren Ansatz beschäftigen, der unserer Meinung nach enorme gesellschaftliche Veränderungen zur Folge haben könnte. Ausgehend von unserem genannten Verständnis von Open Innovation, sehen wir die Wertigkeit nutzergenerierter Inhalte (UGC) gegenüber professionell erstellten Inhalten durchaus als hoch an und schätzen die Qualität dieser keineswegs pauschal als minderwertig ein.
Über die Schnittstelle des Internets ist es einem Akteur dabei nicht nur möglich, eigene Inhalte zu verbreiten oder Kommunikation zu erfahren, sondern auch in vielen anderen Bereichen gestalterisch tätig zu werden. Unternehmen und einzelne Personen handeln mit materiellen und immateriellen Gütern und bieten sie anderen weltweit an. Talentierte Menschen designen beispielsweise Produkte oder verbessern diese in Eigeninitiative und stellen sie anderen zur Verfügung, die diese oft begeistert aufnehmen. Fast unbemerkt wird auf diese Weise eine Vielzahl an kleinen und großen Innovationen geschaffen. In nicht wenigen Fällen sind die Ergebnisse so gut, dass andere Akteure – Unternehmen wie einzelne Personen – bereit sind, für dieses Wissen oder diese Güter zu bezahlen. Durch die Kreativität von Nutzern sind Werte geschaffen worden.
Unser Ansatz von Open Entrepreneurship stellt hiervon ausgehend die Wertschöpfung in Netzwerken in den Mittelpunkt. Kapital ist damit nicht mehr länger zwingende Voraussetzung für die Aufnahme einer unternehmerischen Tätigkeit. Insbesondere das Internet bietet Menschen die Möglichkeit, durch entsprechende Netzwerke in weiten Teilen risikolos unternehmerisch tätig zu werden und einen weltweiten Absatzmarkt für ihr Wissen und die von ihnen gehandelten Güter zu nutzen. Selbst wenn Menschen nicht selbst Güter produzieren oder Leistungen erbringen, sondern wie in Affiliate-Netzwerken nur eine Vermittlerrolle einnehmen, können sie dennoch als Mini-Entrepreneure auftreten und aktiv zur Wertschöpfung beitragen. Darüber hinaus können durch kollaborative Zusammenarbeit Netwerke aus einzelnen Individuen durch Arbeitsteilung selbst umfangreiche Projekte realisieren. Die zentrale Herausforderung dabei lautet, die in Netzwerken entstandenen Innovationen in Hierarchien oder Märkte zu überführen.
In diesem Kontext erweitert unser Ansatz von Open Entrepreneurship auch das Konzept einer Commons-Based-Peer-Production von Yochai Benkler, Yale, der insbesondere im Hinblick auf Open Source die kollaborative Produktion rein wissensbasierter Güter in den Mittelpunkt stellt.
Openeur – Open Innovation & Entrepreneurship
Basierend auf unseren Herangehensweisen an Open Innovation und Open Entrepreneurship möchten wir den Versuch einer Synthese wagen. Aus unserer Sicht bauen beide Ansätze in hohem Maße aufeinander auf und eröffnen erst in Kombination ein tieferes Verständnis für die bestehenden Potenziale beider Konzepte. Insofern haben wir einen neuen Typ des Unternehmers identifiziert, der Elemente beider Ansätze vereint und in Netzwerkstrukturen zusammen mit anderen Nutzern oder Unternehmen Innovation insgesamt wahrscheinlicher macht - den Openeur.
Openeure sind demnach Unternehmen oder einzelne Individuen, die sich die Chancen offener Innovation durch kollaborative Zusammenarbeit in Netzwerkstrukturen zunutze machen und Wertschöpfung aus ihrem Wissen, ihren Fähigkeiten oder den von ihnen hergestellten Produkten oder Dienstleistungen in Netzwerken generieren. Der Openeur erweitert damit auch den Schumpeterschen Unternehmerbegriff des schöpferischen Zerstörers insbesondere um die Wertschöpfung in Netwerken, die letzten Endes in hohem Maße Synergien zwischen Teilnehmern dieser Netzwerke schaffen kann.
Die Faszination, die uns in Zusammenhang mit Open Innovation & Entrepreneurship ergriffen hat, möchten wir in Zukunft auf diesem Blog beschreiben und ausgiebig über die neuesten Entwicklungen in diesem Kontext berichten. Dabei ist es unser Anliegen, das Thema Open Innovation & Entrepreneurship sowohl aus wissenschaftlicher als auch aus managementorientierter Sicht zu thematisieren und ein breites Verständnis für das Potenzial dieser Ansätze zu schaffen.
Friedrichshafen, den 1. Dezember 2006
Steffen Höllinger & Johannes Heinze
























Frank Piller sagt
am 2. Dezember 2006 @ 04:18
Spannende Idee und gutes Thema! Ich bin gespannt, wie sich Ihr Blog entwickelt und was Sie zu diesem Thema beitragen! Graphisch auf jeden fall schon mal sehr schoen gemacht! Viel Erfolg und viele Leser!
Ryan Rauscher sagt
am 8. Mai 2007 @ 21:27
Ich lese mit Begeisterung Eure Beiträge und freue mich innigst, meine eigenen Gedanken der letzten Monate in Eurer Arbeit wiederzuentdecken.
Ich beschäftige mich mit neuen Vermarktungssystemen für Musik im digitalen Zeitalter - oder im Web2.0, whatever - und plane, ein Openeur-Projekt zu starten. Basierend auf einem Wiki, in dem ich all mein Wissen und meine Ideen frei zugänglich machen werde.
Ich werde mich weiter von Euch inspirieren lassen.
Ryan
Jahooda sagt
am 24. Oktober 2007 @ 10:04
Die Öffnung des Innovationsprozesses in der Praxis…
(Bildquelle: P&G)
Was ist eigentlich mit der “Öffnung des Innovationsprozesses bzw. Open Innovation” gemeint? Sehr einfach gesprochen steht dahinter die Erkenntnis, dass es auch intelligente Leute geben soll die nicht für das….